Markus Romer
27. Juni 2026
Stärkeklassensieg und höchste Note des ganzen Festes.
Das Seeländische Turnfest in Kerzers sollte für den TV Reichenburg zu einem jener seltenen Tage werden, die man nicht einfach protokolliert, sondern in die Vereinsgeschichte eingraviert. Seit Landquart 1988 und Grandson 1990 war es dem Verein nur zweimal gelungen, nicht nur die eigene Stärkeklasse zu gewinnen, sondern gleich die höchste Note des gesamten Turnfests zu erzielen. Kerzers 2026 fügte sich als dritter Stern in diese exklusive Reihe ein.
Der Wettkampf begann früh am Morgen mit den Damen der Gymnastik Kleinfeld. Die Sonne brannte bereits heiss über den Anlagen, und die Wertungsrichter schienen ähnlich erhitzt – anders liess sich die ungewohnt tiefe Note von 9.11 kaum erklären. Eine der tiefsten Bewertungen der letzten Jahre, und doch war es der Moment, der den Reichenburger Kampfgeist erst richtig entfachte. Man sah es in den Gesichtern: Wenn es schwierig wird, wächst dieser Verein über sich hinaus.
Kaum war die erste Enttäuschung verdaut, standen die Läuferinnen und Läufer bereit. Und sie liefen nicht einfach schnell – sie liefen allen davon. Die Pendelstafette wurde mit einer brillanten 9.79 belohnt, ein Wert, der wie ein Befreiungsschlag wirkte. Die Wechsel klappten wie im Lehrbuch, die Sprints waren explosiv, und die Stimmung am Streckenrand begann zu kochen. Reichenburg war im Wettkampf angekommen.
Das Steinheben folgte unmittelbar danach und zeigte, dass rohe Kraft und feine Technik sich nicht ausschliessen müssen. Mit 22.5 kg und 18 kg Stein hoben Luki und die starken Männer mit einer Ruhe und Präzision, die beeindruckte. Die Jury dankte es mit einer starken 9.59.
Der zweite Wettkampfteil gehörte dem Schleuderball – und hier setzte der TV Reichenburg ein Ausrufezeichen, das weit über Kerzers hinaus hallte. Die Werferinnen und Werfer schleuderten nicht nur Bälle, sondern gleich die Maximalnote 10.00 in die Rangliste. Eine glatte Zehn, selten, kostbar, und der Moment, in dem man spürte: Heute passiert etwas Besonderes.
Der Abschluss des Wettkampfs war eine doppelte Kür. Zuerst gehörte die Bühne den Gymnastikfrauen, die nach ihrem Erfolg an der KVM in Lachen erneut zeigten, dass ihre Darbietungen nicht nur schön, sondern meisterhaft sind. Die originelle, dynamische und sauber geturnte Choreografie wurde mit 9.57 belohnt und trug die Stimmung weiter nach oben. Danach folgte das Schaukelringteam, das seine beste Vorführung des Jahres zeigte. Die Ringe flogen, die Haltung stimmte, die Abgänge waren präzise – und die Jury vergab eine hervorragende 9.50.
Als die letzten Noten zusammengezählt wurden, entstand jene Zahl, die man in Reichenburg wohl noch lange mit Stolz aussprechen wird: 28.99. Es war nicht nur der Sieg in der 3. St ärkeklasse, sondern die höchste Punktzahl des gesamten Turnfests Kerzers 2026. Ein Triumph, der sich nahtlos in die grossen Momente der Vereinsgeschichte einreiht.
Ein solcher Erfolg entsteht nie zufällig. Hinter der geschlossenen Teamleistung stand Oberturner Andrin Schmucki, dessen motivierende Art, ruhige Führung und präzise Vorbereitung den Verein durch den Wettkampf trugen. Er schaffte es, jede Turnerin und jeden Turner zu Höchstleistungen zu inspirieren – und damit den TV Reichenburg zu einem historischen Erfolg zu führen.
Kerzers 2026 war nicht einfach ein Turnfest. Es war ein Statement. Ein Statement, dass der TV Reichenburg Tradition hat – und Zukunft. Ein Statement, dass man auch nach einer tiefen Startnote nicht einknickt. Ein Statement, dass Teamgeist, Wille und Reichenburger Herzblut Berge versetzen können.
Ein Tag, den man nicht vergisst. Ein Tag, der in die Chronik gehört. Ein Tag, der zeigt: Der TV Reichenburg lebt – und wie.

